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glocke-friedenskircheIm Juli 2021 ist die Friedenskirche Niederschönhausen 150 Jahre alt.

Hier hören sie hier die Glocken der Friedenskirche:
– Das Glockengeläut

Zur Geschichte der Glocken

Steigt man den Kirchturm hinauf, sieht man im vorletzten durch Holzdecken getrennten Geschoss – der Glockenstube – die drei Turmglocken. Es sind Eisenglocken mit den Schlagtönen g‘, b‘ und d‘. Gießer waren „Ulrich & Weule“ aus Apolda-Bockenem. Material aus Eisen war dem damaligen Gießdatum geschuldet. Im Jahr 1920, kurz nach dem ersten Weltkrieg, fehlte es an genügend Bronze. Wo waren damals die ursprünglichen Bronzeglocken geblieben? Aus den historischen Quellen ist zu erfahren, dass die drei Bronzeglocken bereits in der 1743 barockisierten Feldsteinkirche ihren Dienst taten. Zwei Glocken müssen laut den Urkunden schon aus dem 16. Jahrhundert gestammt haben. Die drei Bronzeglocken haben somit auch bei der Kirchweihe im Juli 1871 geläutet.

Doch der erste Weltkrieg forderte seinen Tribut. Weil Metalle für die ungeheure Kriegsmaschinerie gebraucht wurden, waren Ende Juni 1917 die Bronzeglocken auf dem „Rathause abzuliefern“. Sie wurden „zerbrochen und eingeschmolzen“. Aus der heutigen Sicht ein Widersinn, dass die Glocken der Friedenskirche in Kriegsmaterial umgewidmet wurden! Damals war die Gemeinde sehr betrübt, sie meinte aber, ein notwendiges Opfer bringen zu müssen. Es gab eine vom damaligen Pfarrer Karl Fangauf herausgegebene Ansichtskarte mit dem Bild der geopferten Glocken, die mit folgendem Spruch versehen war: „Die erzenen Glocken schmelzen sie ein, nun wollen wir selber erzen sein in der Treue bis ins Mark hinein. Wir, die wie euch hinausgesandt, wir halten Treue unverwandt – Mit Gott für König und Vaterland. 27.6.1917“[1].

Bereits im Frühjahr 1919 kam es in der Gemeinde zu Sammlungen für neue Glocken. „Überraschende Gaben aus der Armut gingen ein. Im ganzen 6500 M“(ark). Ulrich & Weule in Apolda wurden mit dem Guss der neuen Eisenglocken beauftragt. Die Glocken sollten mit Inschriften versehen sein. Doch als im Juli 1920 die neuen Glocken „neben dem Gotteshause standen, da waren es – nicht unsere Glocken! Die Inschriften fehlten! In ruhigen Zeiten hätten wir sie wieder abholen lassen. Aber es waren nicht ruhige Zeiten[2]. Die Glocken wurden rasch montiert und schon am 7. August 1920 kam es zur eilig organisierten Glockenweihe mit einem festlichen Sonntagsgottesdienst, geleitet von Pfarrer Karl Fangauf. In den auf den Altarstufen gesprochenen „Glockenworten“ von Frau Herper-Salten hieß es u.a. „Drunten, ihr Menschen, habt ihr’s vernommen, dass wir zu euch sind nun wiedergekommen? Dass wir aus Weltenbrand auf sind erstanden, Not und Tod und Nacht überwanden?“ [3]. In dieser Ansprache wird allerdings auch der von Deutschland verlorene Krieg als „Schmach“ beklagt und die Nation beschworen. Ebenso ist die Glockenrede von Pfarrer Karl Fangauf stark vom verlorenen Krieg geprägt, indem er ausführt: „In Kriegszeit sind die alten [Glocken] hinausgezogen. Jetzt wenn die neuen läuten, ist es Friede. Wenigstens ein papierner Friede. Denn der Kampf geht weiter. Wir erfahren das alte Lied und das alte Leid: Man ruft Friede! Friede! Aber es ist kein Friede! (Jeremias 6, 14)[4]. Dies sind Worte aus einer äußerst schwierigen Zeit, die über 100 Jahre zurückliegt. Aus der heutigen Sicht in Kenntnis der Konflikte in der Weimarer Republik, der unseligen Zeit des Nationalsozialismus und der Grauen des Zweiten Weltkrieges machen einen diese Worte beklommen.

Zum Glockengeläut ist noch zu bemerken, dass die Glocken zuerst per Hand und Glockenseil in Bewegung gebracht werden mussten. Im Jahr 1925 gab es dann einen elektrischen Glockenantrieb, 1962 wurde eine elektrische automatische Glockenläutmaschine eingebaut.

[1]           Fangauf in Rehfeldt, S. 332
[2]           Fangauf in Rehfeldt, S. 332
[3]           Fangauf in Rehfeldt, S. 335
[4]           Fangauf in Rehfeldt, S. 336

Die Glocken der Friedenskirche bei youtube

Das Glockengeläut der Friedenkirche kann man nun sogar im Internet erleben. Das verdanken wir einem  Schüler / jungen Mann. Michael Schüßler aus Berlin-Marzahn betreibt den YouTube-Kanal “Glocken M”.  Er geht zu Kirchen und Gemeinden und bittet darum das Glockengeräusch per Video aufnehmen zu können. So kam es auch zu einem Sonderläuten in Niederschönhausen.
Hier kann man das Geläut der Friedenkirche hören und sehen (Ab Minute 4:15)

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